
Schwimm EM 2026 Paris SPORT4FINAL Blog Media Time – Frank Zepp – PM DSV:
11.08.2026 – Schwimm EM 2026 Paris: Zwei Medaillen
Als sich Isabel Gose und Maya Werner in die Arme schlossen am Beckenrand des Centre Aquatique Olympique von Paris, bekam man es mal wieder gut zu sehen: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Als Zweite und Dritte über 800m Freistil hatten die beiden Magdeburgerinnen am Dienstag die Medaillen 20 und 21 für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) bei den Europameisterschaften in Frankreichs Hauptstadt erkämpft.
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Gold ging in 8:15,55 Minuten an Simona Quadarella (ITA). Der Dauerrivalin hatte Gose (8:18,44) diesmal bis zur 600m-Wende einen heißen Kampf geliefert, dann zog die Weltmeisterin von 2024 aber davon. Dahinter verbesserte Werner ihre persönliche Bestzeit um gleich sieben Sekunden auf 8:22,55, die U23-Europameisterin des Vorjahres gewann damit ihre erste EM-Medaille in der offenen Klasse auf der Langbahn. Und so standen erstmals seit 24 Jahren nach Jana Henke und Hannah Stockbauer mal wieder zwei deutsche Langstrecklerinnen auf einem EM-Podest.
Umstellung nach Freiwasserrennen besser als erwartet
Gose gewann in den Tagen zuvor bereits zweimal Gold beim Freiwasserschwimmen in der Seine. Die Magdeburgerin zeigte sich trotz der kurzen Umstellungszeit am Dienstag voll auf der Höhe und blieb nur zwei Sekunden über dem deutschen Rekord von Sarah Köhler. „Ich bin super happy. Drittes Rennen, dritte Medaille mit der schnellsten Zeit in diesem Jahr“, sagte Gose. „Hinten haben mir ein paar Körner gefehlt. Ich habe schließlich schon einige Kilometer drin, das will ich aber nicht als Ausrede nutzen. Der Übergang vom Freiwasser ins Becken hat gut geklappt, besser als erwartet.“
Außerdem freute sich Harmoniemensch Gose auch darüber, dass die sportliche Rivalität mit Quadarella nicht mehr alles andere überlagert im Umgang. „Ich glaube, so langsam freuen wir uns auch, uns zu sehen, wenn wir im Vorstart sind. Wir tauen ein bisschen auf, das war am Anfang noch nicht so. Ich glaube, wir genießen das beide, so ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu haben und den Fans da so ein cooles Battle zu bieten.“
Isabel Gose und Maya Werner haben noch zwei weitere Medaillenchancen
Eine Fortsetzung gibt es vermutlich schon in Paris in den weiteren Langdistanzrennen über 1500m und 400m Freistil. „Mal schauen. Ich hangele mich da jetzt wirklich von Rennen zu Rennen“, sagte Gose dazu. „Ich werde versuchen, in den Vorläufen nicht allzu viele Körner zu verpulvern, aber ich darf natürlich auch nicht zu sehr auf die Bremse treten. Ich denke, das ist mir im 800-Meter-Vorlauf ganz gut gelungen und das möchte ich bei den 1500 genauso machen. Die 400 Meter sind dann nochmal eine ganz andere Sache, da geht es mehr um Schnelligkeit, die jetzt natürlich die letzten Wochen etwas auf der Strecke geblieben ist, dadurch, dass ich jetzt wirklich immer sehr lange Rennen hatte. Aber ich freue mich drauf. Da muss dann alles rein, was noch da ist.“
Nicht minder glücklich klang Werner. „Das Rennen hat sich sehr gut angefühlt. Ich habe gleich nach dem Start gemerkt, heute ist irgendwie der Rutsch da. Dass es so eine gute Zeit wird, hatte ich aber nicht erwartet. Daher bin ich umso glücklicher und auch dass es jetzt eine Medaille geworden ist, ist einfach toll im ersten Rennen. So kann es weitergehen.“
Lise Seidel überrascht sich selbst mit Rang vier
Und wer weiß, vielleicht bleibt es ja nicht das einzige Mal, dass sie zusammen mit ihrer Trainingskollegin auf dem Pariser Podest steht. Beide haben das gleiche Wettkampfprogramm bei diesen Titelkämpfen. „Wir sind Freundinnen im und außerhalb des Wassers. Ich denke, das ist was ganz Besonderes“, betonte Werner daher auch. „Und dass wir jetzt auch beide bei so tollen Wettkämpfen zusammen sind, zusammen starten können, die Vorbereitung zusammen machen können – das ist einfach schön.“
Ab kommender Saison wird auch Lise Seidel zur Magdeburger Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn gehören. Der 19-Jährigen vom SC Chemnitz gelang als WM-Achte über 200m Rücken schon im Vorjahr eine tolle internationale Premiere, nun legte sie beim Sieg von Katie Shanahan (GBR/2:06,13 Minuten) mit EM-Platz vier in 2:08,86 eine weitere Top-Platzierung nach.
Vor zehn Wochen lag sie noch im Krankenhaus
Und das nach einem schwierigen Frühjahr mit Rückenproblemen und einer chronischer Nasennebenhöhlenentzündung samt Operation. Zudem bedeuteten die Abiturprüfungen eine zusätzliche Herausforderung abseits des Beckens. Seidel staunte daher ein wenig über sich selbst.
„Vor zweieinhalb Monaten noch im Krankenhaus gelegen, jetzt so eine gute Zeit ohne viel Training. Ich bin so glücklich darüber. Ich hätte damit nie im Leben gerechnet. Der vierte Platz ist natürlich ärgerlich, aber das spornt einfach nur für die nächsten Jahre noch mehr an, dass ich irgendwann die Medaille hole.“
Anna Elendt diesmal nicht auf der Außenbahn, aber auch nicht Favoritin
Um Edelmetall kämpfen werden bereits am Mittwochabend Anna Elendt (SG Frankfurt) und Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin). Über 100m Brust zog Weltmeisterin Elendt in 1:05,92 Minuten als Fünftschnellste ins Finale ein. Favoritin ist dort dann Angharad Evans (GBR), die in 1:04,97 Minuten schneller als Elendt beim WM-Triumph in Singapur war und damit wie schon im Vorlauf erneut einen Meisterschaftsrekord aufstellte. „Ich bin happy mit der Zeit. Ich denke, es wird schon ein Pluspunkt, wenn ich nicht auf der Außenbahn bin“, meinte Elendt, die in Singapur doch auf Bahn eins alle überrascht hatte.
Köhler erreichte mit ihren 25,85 Sekunden über 50m Schmetterling als Achte den Endlauf, Schnellste der Halbfinals war hier Weltrekordlerin Sarah Sjöström (SWE/25,12). Eine Steigerung scheint aber möglich, am Dienstag war Köhler zusätzlich ja noch beim deutschen Rekord der Lagen-Mixedstaffel gefordert.
Auch im dritten Staffelrennen der Europameisterschaften von Paris (FRA) hat es am Dienstag wieder einen deutschen Rekord gegeben. Kaii Liam Winkler (SG Neukölln Berlin/Rücken), Melvin Imoudu (Potsdamer SV/Brust), Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin/Schmetterling) und Nina Holt (SC Magdeburg/Kraul) schwammen die 4x100m-Lagen-Mixedstaffel in 3:43,00 Minuten und blieben damit mehr als eine Sekunde unter der bisherigen Bestmarke (3:44,17), mit der Deutschland 2015 WM-Bronze geholt hatte. „Es hat richtig Spaß gemacht mit der Staffel und wir können stolz auf uns sein, das so zusammengezaubert zu haben“, meinte Schlussschwimmerin Holt. Und ordnete die Bedeutung guter Staffelauftritte richtig ein: „Die Staffeln zeigen, was das ganze deutsche Team draufhat, dass wir nicht nur ein, zwei Sportler sind, die erfolgreich sind, sondern ein gutes Team, das durch die Bank weg wirklich Erfolge bringt.“
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Am Montag hatten bereits die DSV-Männer über 4x200m Freistil EM-Bronze gefeiert, die Frauen waren Vierte geworden, beides ebenfalls mit deutschem Rekord. Diesmal wurde es für Deutschland Platz fünf. Es siegte Gastgeber Frankreich in 3:39,64 vor den Niederlanden (3:40,92) und den Neutralen Athlet*innen aus Russland (3:41,52), weshalb die Stimmung im Centre Aquatique Olympique regelrecht überkochte. „Ich weiß nicht, wann das bei einer Europameisterschaft das letzte Mal so krass war, das war wie bei Olympia. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut“, meinte Angelina Köhler. Melvin Imoudu pflichtete ihr bei. „Es hat mega viel Spaß gemacht, man hat die Leute bei jedem einzelnen Brustzug schreien hören“, sagte er.
Melvin Imoudu wieder nur wenige Hundertstel von der Medaille entfernt
Der Potsdamer war zuvor bereits im Einzelfinale über 100m Brust mit 59,05 Sekunden Vierter geworden. Ein Top-Ergebnis, über das sich der 27-Jährige direkt nach dem Rennen aber nicht wirklich freuen konnte. „Es ist eine ähnliche Situation wie in Paris damals, mehr kann ich gar nicht sagen“, meinte er.
Bei Olympia hatten vor zwei Jahren nur sechs Hundertstel zu Bronze gefehlt, diesmal waren es 15 Hundertstel auf den Drittplatzierten Simone Cerasuolo (ITA/58,90). Dessen Landsmann Nicolo Martinenghi gewann in 58,58 den Europameistertitel, dagegen musste sich Olympiasieger Adam Ramsay-Peaty (GBR/59,10) mit Rang fünf begnügen. Auf den letzten Metern war Imoudu noch am Briten vorbeigezogen, was seinen Auftritt umso stärker machte.
Luca Armbruster mit vollem Risiko auf Platz sechs
In einem weiteren Finale mit deutscher Beteiligung schmetterte Luca Armbruster (SG Neukölln Berlin) in 22,84 Sekunden wie schon bei der WM in Singapur auf Platz sechs. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte der 24-Jährige, der am Vortag im Halbfinale mit 22,71 sogar deutschen Rekord geschwommen war und nun noch einmal so schnell schwamm wie die alte Bestmarke. „Am Anfang habe ich mich ein bisschen zu sehr geärgert über den Anschlag, aber das machen die 50er aus, das ist das Risiko, was man da gehen muss.“
Zumal das Niveau in Europa gerade unfassbar hoch ist. Bei den Weltmeisterschaften hatte es im vergangenen Jahr ein rein europäisches WM-Podium gegeben, und sogar sieben von acht WM-Finalisten stammten von dort. Während Weltmeister Maxime Grousset (22,54) diesmal Zweiter hinter Egor Kornev (NAB/22,52) wurde, gingen die beiden anderen Medaillengewinner aus Singapur – Thomas Ceccon (ITA/Vierter mit 22,72) und Noè Ponti (SUI/22,91) – leer aus, der Schweizer wurde gar nur Achter. „Normalerweise ist er ein Medaillenkandidat, jetzt war er hinten, das ist schon krass“, so Armbruster. „Beim 50er kann alles passieren. Einmal ein Kick zu wenig, eine Tauchphase nicht perfekt, und, zack, ist der Anschlag weg. Und darauf kommt es beim 50er natürlich an, das ist ein Wimpernschlag. Aber das macht das Rennen auch so spannend, das macht Spaß. Ich kann mich nicht beklagen und habe Bock auf mehr. Für die 100 Meter weiß ich jetzt, ich habe den Speed.“
Europarekord durch Hubert Kós schon im Halbfinale
So schnell wie 2026 noch nicht war in Paris auch Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg) unterwegs, der im Halbfinale über 100m Freistil mit 48,28 Sekunden auf Platz zehn kam. „Ich bin zufrieden mit der Entwicklung. Beim Höhepunkt will man Saisonbestleistung schwimmen. Das ist das, was ich hier aktuell schwimmen kann“, sagte er.
Hinter dem Olympia-Sechsten liegt kein ganz einfaches Jahr, in dem vor allem abseits des Beckens viel passierte: Salchow schloss sein Studium ab, arbeitete bereits halbtags. Der EM-Auftritt mit einer erneuten Steigerung gegenüber dem Vorlauf war da aller Ehren wert. „Man sieht auch, wie stark die Dichte bei 100 Meter Freistil mittlerweile ist, dass du selbst in Europa unter 49 schwimmen musst, damit du ins Finale kommst“, so Salchow. Schnellster im Halbfinale war Weltmeister und Titelverteidiger David Popovici (ROU) mit neuem Meisterschaftsrekord von 46,72 Sekunden.
Sogar einen Europarekord zauberte im Halbfinale über 200m Rücken der Ungar Hubert Kos ins Becken. Mit jetzt 1:52,30 Minuten scheint im Finale auch der Weltrekord aus der Ära der Hightech-Anzüge (1:51,92) nicht außer Reichweite. Aber auch Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV) zeigte mit 1:56,26 und Platz elf einmal mehr, welche Fortschritte er zuletzt gemacht hat. Jahn hatte am Montag bereits Bronze mit der Staffel geholt. „Nach gestern ist alles nur noch Bonus, es ist schon mehr, als ich mir vorgenommen hatte. Ziel war zwar, ins Finale zu kommen, aber mit den Zeiten, die die Jungs hier geschwommen sind, ist das einfach nur Weltklasse. Nach gestern nochmal eine Bestzeit zu schwimmen, da bin ich einfach super happy.“
10.08.2026 – Schwimm EM 2026 Paris: Traumstart in Paris am ersten Tag
Wenn jemand im Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) weiß, wie es sich anfühlt, bei einer großen internationalen Meisterschaft die erste Medaille fürs Team zu gewinnen, dann ist es Lukas Märtens. Ob bei seinem Olympiasieg 2024 oder im vergangenen Jahr beim Weltmeistertitel in Singapur, stets machte der Magdeburger aus DSV-Sicht auf dem Treppchen den Anfang. So auch diesmal wieder bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) – bloß, dass er diese Ehre diesmal noch mit drei anderen Athleten teilen durfte.
DSV-Männer unterbieten Zeit aus der Ära der High-Tech-Anzüge
Zusammen mit Timo Sorgius (SC Wiesbaden 1911/1:45,63), Jarno Bäschnitt (Team Bochum/1:45,10) und Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV/1:45,84) gewann Startschwimmer Märtens (1:45,71) am Montagabend Bronze über 4x200m Freistil. Mit 7:02,28 Minuten stellte das DSV-Quartett zudem einen deutschen Rekord auf, knapp eine Sekunde schneller als die 17 Jahre alte Bestmarke (7:03,19) der Staffel um Paul Biedermann noch aus der Zeit der Hightech-Anzüge.
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Gold ging mit neuem Meisterschaftsrekord von 7:01,52 Minuten nach Großbritannien, das auch schon bei Olympia und bei der WM siegreich gewesen war, Silber an die Gastgeber aus Frankreich mit Superstar Léon Marchand (7:02,23).
Medaille am ersten Tag beflügelt das ganze Team
„Wir geben dem ganzen Team damit einen guten Schub. Mit der Staffel eine Medaille zu gewinnen, ist für mich etwas Besonderes, weil mir das noch nicht so oft vergönnt gewesen ist. Deshalb bin ich umso stolzer, dass ich es mit den Jungs jetzt geschafft habe“, sagte Märtens. Und weiter: „Das haben wir uns über Jahre aufgebaut. Wir haben letztes Jahr ein bisschen Lehrgeld zahlen müssen, da waren wir nicht im Finale bei der WM. Dieses Mal lief es umso besser. Und Richtung Los Angeles ist da noch vieles möglich.“
Léon Marchand hatte als Startschwimmer der Franzosen auf den ersten 200 Metern ordentlich Gas gegeben (1:43,76) – der Top-Star dieser EM schwamm weit vor dem Feld und brachte das Heimpublikum im Centre Aquatique Olympique zum Toben. Deutschland wechselte als Siebter, aber Timo Sorgius brachte das DSV-Quartett heran bis auf Platz vier. „Ich habe schon im Vorlauf gemeint, dass wir den deutschen Rekord angreifen. Das haben wir jetzt auch bewiesen, dass wir es können. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, und darauf können wir alle sehr stolz sein“, sagte er.
Bäschnitt mit der schnellsten Zeit, Jahn übernimmt Verantwortung
Nach Sorgius ging Jarno Bäschnitt ins Becken, der diesmal die schnellste Zeit ablieferte und das Rennen seines Lebens zeigte. „Ich glaube, das war in erster Linie Kopfsache, dass ich da nochmal alles aufgedreht habe, um auf 110 Prozent zu gehen. Das hier werde ich nie vergessen“, schilderte er selbst seinen Auftritt. Schlussmann war dann Cornelius Jahn, bislang vor allem als starker Rückenschwimmer bekannt, aber in Paris nun auch auf der Kraulstrecke bärenstark.
„Ich bin super happy“, sagte der Schleswig-Holsteiner, der erst relativ kurzfristig von seinem Staffeleinsatz erfahren hatte, nachdem Oliver Klemet (SG Frankfurt) nach seinen Einsätzen im Freiwasser noch etwas Pause brauchte. „Das war ein super Rennen, es hat einfach Spaß gemacht. Und die Atmosphäre war auch mega“, so Jahn.
DSV-Frauen schneller als Britta Steffen & Co. beim Weltrekord
Zuvor durften sich auch die DSV-Frauen im Endlauf über 4x200m Freistil über einen deutschen Rekord freuen. Mit 7:49,14 Minuten blieben Maya Tobehn (Dresdner SC 1898), Linda Roth, Nina Holt (beide SC Magdeburg) und Nicole Maier (SC Wiesbaden 1911) rund 1,7 Sekunden unter der alten Marke, mit der Britta Steffen und Co. 2006 bei der EM in Budapest (HUN) zum Titel schwammen und die damals sogar Weltrekord bedeutet hatte. Dieses Mal fehlte dem deutschen Quartett die Winzigkeit einer Hundertstel, um ebenfalls eine Medaille einzufahren. Gold ging auch hier nach Großbritannien mit Championship-Rekord von 7:45,93, vor Ungarn (7:49,09) und den Neutralen Athletinnen (7:49,13).
Nur eine Hundertstel fehlt zum Podium
„Ich muss sagen, ich habe gemischte Gefühle. Der deutsche Rekord ist eine wirklich gute Zeit, das freut mich wahnsinnig, na klar. Aber eine Hundertstel ist ärgerlich, das muss man erstmal verdauen“, meinte Tobehn. Ihre Teamkolleginnen trösteten sie aber sofort. „Wir können uns nichts vorwerfen. Wir haben alle bis zum Ende gekämpft und können glücklich sein mit uns. Das war jetzt hier für uns alle das erste Finale hier bei der EM, und für Maya und mich auch die erste EM in der offenen Klasse“, erinnerte Linda Roth. Auch Maier meinte: „So eine Staffel ist eine Teamleistung. Man macht das immer gemeinsam und nimmt das Ergebnis auch dann gemeinsam auf.“
Bis auf Tobehn waren die deutschen Staffelschwimmerinnen am ersten EM-Tag allesamt auch schon im Einzel über 100m Freistil im Einsatz gewesen. Nina Holt erreichte dort das Halbfinale, als Elfte mit 53,81 Sekunden stellte sie dabei ihre Bestzeit ein. „Es war mir sehr wichtig, über die 100 ein gutes Rennen zu machen. Danach war ich ganz schön motiviert für die Staffel“, sagte sie. Die Bronzemedaille der Staffelmänner dürfte nun für weiteren Ansporn für die nächsten Tage gesorgt haben.
Platz vier und fünf für Deutschland im Lagen-Finale
Auch abseits der tollen Staffelauftritte zeigten die Aktiven des DSV zum Auftakt der Europameisterschaften starke Leistungen. So erkämpften im allerersten Finale dieser Titelkämpfe Cedric Büssing (4:14,16 Minuten) und Finn Hammer (4:14,31/beide SG Essen) die Plätze vier und fünf über 400m Lagen. Gold ging nach der kurzfristigen Absage von Frankreichs Weltrekordler Léon Marchand diesmal an Ilia Borodin (4:08,17/NAB) vor Alberto Razzetti (ITA/4:10,40) und bereits 31 Jahre alten Max Litchfield (GBR/4:11,58).
„Mit Finn dieses Finale zu schwimmen, hat richtig Spaß gemacht. Es war super anstrengend, aber schön“, meinte Büssing. Der 22-Jährige war dabei voll des Lobes über seinen Vereinskollegen, mit dem er seit der EM-Qualifikation Ende April viel gemeinsam trainiert hatte. „Die 400m Lagen sind nun mal unfassbar hart. Auf dieser Strecke zweimal am Tag eine ähnliche gute Zeit zu schwimmen, ist sehr schwer. Aber Finn und ich haben das geschafft, können damit sehr zufrieden sein.“
Finn Hammer glänzt pünktlich zum Saisonhöhepunkt
Das war Hammer tatsächlich. Der 20-jährige US-Student hatte im Vorlauf seine Bestzeit um gleich fünf Sekunden gedrückt und damit als erster Deutscher im EM-Pool ein positives Zeichen an die Mannschaft gesetzt. Nach dem ähnlich überzeugenden Finalauftritt sagte er dann: „Es wurde langsam Zeit für einen Sprung nach vorn. Bei den internationalen Meisterschaften konnte ich nie so abrufen, was ich vorher im Training gezeigt habe. Heute war das aber endlich mal der Fall.“
Gemeinsam wollen sich die beiden EM-Finalisten zu weiteren Höchstleistungen antreiben. Und wer weiß, vielleicht schaffen sie es ja 2028 dann gemeinsam ins Olympiafinale. Büssing war dies schon 2024 gelang, damals er Achter geworden. Den damaligen Sieger Marchand vermisste er diesmal nur bedingt. „Wenn er dabei gewesen wäre, dann wären wir vielleicht weiter hinten gelandet“, so Büssing. „Von den Spielen hatte ich noch in Erinnerung, dass bei irgendeiner 25-Meter-Markierung einfach die Halle leise wurde, weil er gerade unter Wasser war. Und dass es heute nicht so war, finde ich eigentlich ganz gut.“
Luca Armbruster sorgt für dritten deutschen Rekord beim EM-Auftakt
Im Halbfinale über 50m Schmetterling sorgte Luca Armbruster zuvor für den ersten deutschen Rekord bei dieser EM. In 22,71 Sekunden blieb der 24-Jährige von der SG Neukölln Berlin 13 Hundertstel unter seiner eigenen Bestmarke aus dem Vorjahr, mit der er in Singapur WM-Sechster geworden war. Als Schnellster der Halbfinals stellte Igor Kornev (22,36/NAB) sogar einen Meisterschaftsrekord auf.
„Ich bin sehr happy, sehr zufrieden. Ich kann es mir gar nicht besser ausmalen“, meinte Armbruster, der damit als Fünftschnellster ins Finale einzog. Er wollte mit Blick auf den Medaillenkampf am Dienstag aber keinen Druck auf sich laden: „Ich freue mich einfach nur aufs Feeling und aufs Finale generell, aufs Topfeld. Ich lasse mich überraschen, was dabei herauskommt.“ Mit dieser Herangehensweise hatte er sich schon bei der WM von Rennen zu Rennen steigern können, so soll es möglichst auch diesmal wieder laufen. Die Medaillenränge sind übrigens nur 18 Hundertstel entfernt.
Imoudu und Seidel folgen Gose und Werner ins Finale
Ebenfalls als Fünfter erreichte Melvin Imoudu den Endlauf über 100m Brust. „Die letzten Meter haben schon weh getan. Aber so soll es sein, dafür trainieren wir. Ich bin alles in allem sehr zufrieden bisher“, meinte der Titelverteidiger. Am Dienstag wird es im Finale wohl ähnlich eng zugehen wie im Olympiafinale 2024, wo dem Potsdamer nur wenige Hundertstel zu Gold fehlten. Auch deswegen steht die Taktik für ihn schon fest: „Auf sich fokussieren, nicht so sehr auf die anderen gucken.“
Ähnlich wird es auch Lise Seidel angehen. Die 19-Jährige vom SC Chemnitz beendete die Vorschlussrunde über 200m Rücken ebenfalls als Fünfte (2:09,43). Nach einer schwierigen Saison mit zuletzt sogar einer Nasen-OP mitten im Abistress zeigte Seidel dabei einen überraschend souveränen Auftritt. „Es geht jedenfalls viel schneller, als ich selbst erwartet habe“, so Seidel.
Um Edelmetall kämpfen am Dienstag auch Isabel Gose und Maya Werner (beide SC Magdeburg), die sich bereits am Vormittag über 800m Freistil fürs Finale qualifizierten. „Ich hatte nach dem Freiwasser nur wenig Zeit zur Regeneration. Und bin froh, dass ich nun noch mal 24 Stunden habe. Ich hangele mich von Tag zu Tag“, meinte Gose, die bereits zwei Goldmedaillen aus der Seine gefischt hatte. Und nun im Pool des Centre Aquatique Olympique gern noch weitere hinzufügen würde.
03.08.2026 – Schwimm EM 2026 in Paris: In welchem Rennen Olympiasieger Lukas Märtens eine offene Rechnung begleichen will
In der zweiten Woche geht es so richtig rund bei den Schwimm-Europameisterschaften in Paris (FRA). Denn ab kommenden Montag (10. August) werden 47 Medaillensätze beim Beckenschwimmen im Centre Aquatique Olympique vergeben, also die Mehrheit bei 80 EM-Entscheidungen insgesamt. Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) schickt nach den gesundheitsbedingten Absagen von Leonie Märtens, Jeremias Pock, Martin Wrede und Vincent Passek nun ein 36-köpfiges Team in den Pool, nur eine einzige Disziplin (50m Rücken der Frauen) findet ohne deutsche Beteiligung statt.
>> EM-Zeitplan Beckenschwimmen: Alle Starts des DSV-Teams im Überblick
Weltmeisterin Anna Elendt, die Olympiadritte Isabel Gose oder auch Ex-Weltmeisterin Angelina Köhler reisen ebenso mit Medaillenhoffnungen nach Frankreich wie Titelverteidiger Melvin Imoudu oder Shootingstar Johannes Liebmann. Gold gleich im ersten Rennen hatte bei Olympia 2024 und auch bei der WM 2025 jeweils Lukas Märtens gewonnen, wiederholen lässt sich dieser Stimmungskracher diesmal aber so nicht für den Magdeburger. Seine Weltrekordstrecke 400m Freistil ist wie schon beim EM-Sieg 2022 in Rom (ITA) erst am allerletzten Tag dran. „Da müssen diesmal andere ran“, meinte Märtens dazu.
Lukas Märtens will es diesmal auch im 200m-Rennen wissen
Er selbst muss also Geduld beweisen. Und hungrig bleiben. Letzteres bereitet Märtens kein Problem. „Ich bin noch lange nicht satt. Vielleicht bin ich etwas gelassener geworden, da ich die wichtigsten Rennen nun bereits gewonnen habe. Das ändert aber nichts daran, dass ich weiterhin ganz oben stehen will. Auf jeden Fall trainiere ich nach wie vor genauso hart und mit derselben Disziplin“, so Märtens. Ganz nebenbei wäre er bei einem Erfolg in Paris erstmals alles gleichzeitig: Olympiasieger, Weltmeister, Europameister und Weltrekordler.
>> Schwimm EM 2026 in Paris: Alle Startlisten und Ergebnisse
Der Magdeburger dosiert bei diesen Titelkämpfen sein Programm etwas anders als zuletzt. Märtens schwimmt am ersten Tag die 4x200m Freistilstaffel. Und danach ziemlich ausgeruht auch das Einzelrennen über 200m Freistil. „Damit habe ich noch eine Rechnung offen. Und auch noch keine internationale Medaille auf dieser Strecke, dafür wird es langsam Zeit“, erklärte er. Und meint damit das Olympiafinale von Paris, wo er eine bessere Endplatzierung als Rang fünf durch eine etwas zu offensive Renneinteilung verspielte. Das 400m-Goldrennen und der Rummel danach steckten ihm damals allerdings noch schwer in den Knochen.
Harter Konkurrenzkampf innerhalb des Teams in zwölf Vorläufen
Aus dem harten Konkurrenzkampf auf den beiden Langstreckenrennen über 800m und 1500m Freistil hält sich Märtens damit diesmal raus. Über 800m Freistil hatte sein Vereinskollege Johannes Liebmann die Schwimmwelt im Frühjahr mit einem Europarekord erstaunt. Das Vorlauf-Duell bei der EM – wo vier Starter pro Nation erlaubt sind, aber nur maximal zwei von ihnen ins Halbfinale oder Finale dürfen – erspart sich Märtens ganz bewusst. Als Fingerzeig für 2028 sollten das Liebmann oder auch der WM-Zweite Sven Schwarz allerdings nicht sehen. Insgesamt hat das DSV-Team in zwölf Disziplinen mehr als zwei Aktive gemeldet.
Insbesondere Vereinskollege Liebmann gönnt Märtens eine erfolgreiche EM-Premiere in den kommenden Tagen aber halt auch besonders. Beide verstehen sich nämlich bestens. „Aber Johannes ist halt auch erst 19. Man darf nicht erwarten, dass er bei der EM nun gleich drei Medaillen holt und auch im Freiwasser gewinnt. Er fängt gerade erst von unten an. Und das sollte man von außen auch so sehen“, so Märtens.
Das DSV-Team bei der EM in Paris
Frauen: Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin), Julianna Dora Bocska, Nina Sandrine Jazy (beide SG Essen), Isabel Gose, Nina Holt, Linda Roth, Maya Werner, Nicole Maier (SC Wiesbaden 1911), Anna Elendt (SG Frankfurt), Lise Seidel, Yara Fay Riefstahl (beide SC Chemnitz), Noelle Benkler, Lena Ludwig (beide SV Nikar Heidelberg), Maya Tobehn (Dresdner SC)
Männer: Ole Braunschweig, Kaii Liam Winker, Luca Nik Armbruster (alle SG Neukölln Berlin), Lukas Märtens, Johannes Liebmann (beide SC Magdeburg), Melvin Imoudu, Jan Malte Gräfe, Ole Mats Eidam (alle Potsdamer SV), Fritz Dietz, Oliver Klemet (beide SG Frankfurt), Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover), Cedric Büssing, Finn Hammer, Julian Koch (alle SG Essen), Jarno Bäschnitt, Lucas Matzerath (beide Team Bochum), Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg), Timo Sorgius (SC Wiesbaden 1911), Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV), Björn Kammann (AMTV-WTB Hamburg), Subäjr Biltaev (SV Cannstatt), Mathis Schönung (SG EWR-Rheinhessen Mainz).
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