
Artikel in Neue Zürcher Zeitung vom 13.05.2026 (Copyright)
Schwarzgelder für Villen bei Kiew? Die ukrainischen Korruptionsjäger nehmen Selenskis engstes Umfeld ins Visier.
Die sogenannte Midas-Affäre um Korruption im ukrainischen Energiesektor zieht immer weitere Kreise. Der einst zweitmächtigste Mann in der Ukraine, Andri Jermak, kommt in der Sache immer stärker in Bedrängnis. Jermak gilt nun offiziell als Verdächtiger. Die Ermittlungen belasten indirekt auch Präsident Wolodimir Selenski. Denn dieser hatte sich erst von Jermak getrennt, als sich dies kaum noch hinauszögern lies. Zuvor war Jermak fünf Jahre lang die Schlüsselfigur im System Selenski gewesen.
Darum ist es wichtig: Das ukrainische Anti-Korruptions-Büro Nabu hat Jermak nicht nur offiziell auf die Liste der Verdächtigen in der Affäre gesetzt, sondern am Dienstag erstmals auch über die Vorwürfe informiert. Im Zentrum steht der Verdacht, dass illegal erworbene Gelder im Umfang von 9 Millionen Dollar über den Geschäftsmann Minditsch gewaschen wurden. Mit dem Geld sollen im Kiewer Datschen-Vorort Kosin drei Luxusvillen für Selenski-Vertraute gebaut worden sein. In ukrainischen Medien wird sogar gemutmaßt, dass eine vierte Villa für Selenski selber gebaut wurde.
Das sagt die Anti-Korruptions-Kämpferin: Daria Kalenjuk ist eine der führenden Stimmen im Kampf gegen die Korruption in der Ukraine. Im Gespräch mit der NZZ kritisierte sie Präsident Selenski scharf. „Selenski hat kein Interesse an rechtsstaatlichen Reformen“ sagte sie und forderte stärkeren internationalen Druck. Von Wahlen im Krieg hält sie aber nichts.

Empfehlenswert
Deutschlands Milliarden-Aufrüstung für den „falschen“ Krieg